Im Recruiting wird immer häufiger über Zahlen gesprochen. Einstellungsdauer, Kosten pro Einstellung, Konversionsraten und Vermittlungserfolgsquoten werden herangezogen, um Prozesse zu vergleichen und die Leistung zu bewerten. Das ist verständlich, denn Zahlen bilden eine solide Grundlage in einem Bereich, der sich größtenteils um Menschen und Intuition dreht. Diese Entwicklung wirft jedoch auch Fragen auf. Denn wie objektiv sind diese Zahlen tatsächlich?
Befürworter datengestützter Personalbeschaffung argumentieren, dass Messungen für Verbesserungen unerlässlich sind. Ohne Zahlen ist es schwierig zu erkennen, was funktioniert und was nicht. Wie lange bleibt eine Stelle unbesetzt? Wie viele Kandidaten scheiden im Laufe des Prozesses aus? Und welche Kanäle liefern die besten Ergebnisse? Solche Daten helfen, Prozesse effizienter zu gestalten und fundierte Entscheidungen zu treffen. In einem angespannten Arbeitsmarkt, in dem sowohl Schnelligkeit als auch Qualität wichtig sind, erscheint dies als ein logischer Ausgangspunkt.
Gleichzeitig mehrt sich die Kritik an der unreflektierten Fokussierung auf Erfolgsquoten. Denn was bedeutet „Erfolg“ im Recruiting eigentlich? Gilt eine Vermittlung bereits mit dem Antritt der Stelle als erfolgreich oder erst, wenn die Leistung nach einem Jahr weiterhin gut ist? Und hat eine schnelle Vermittlung mehr Gewicht als eine nachhaltige Übereinstimmung? Die Antworten auf diese Fragen variieren je nach Unternehmen, Position und mitunter sogar je nach Personalverantwortlichem. Daher sind die Zahlen weniger objektiv, als sie auf den ersten Blick erscheinen.
Der Kontext spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle. Eine Erfolgsquote von 90 Prozent klingt beeindruckend, sagt aber wenig aus, ohne zu wissen, in welchem Markt, Sektor oder welcher Berufsgruppe sie erzielt wurde. Eine spezialisierte technische Position in einem umkämpften Markt lässt sich schlichtweg nicht mit einer allgemeinen Stelle mit großem Angebot vergleichen. Dennoch werden diese Zahlen oft nebeneinandergestellt, als wären sie universell gültig.
Darüber hinaus ist Recruiting kein linearer Prozess. Die Qualität der Besetzung wird von Faktoren beeinflusst, die sich nur schwer quantifizieren lassen, wie Teamdynamik, Unternehmenskultur, Führung und persönliche Entwicklung. Ein Kandidat kann auf dem Papier perfekt passen und trotzdem aussteigen oder sich umgekehrt zu einer Schlüsselfigur entwickeln, obwohl dies vorher nicht absehbar war. Erfolg lässt sich hier nicht immer direkt messen, und schon gar nicht anhand festgelegter KPIs.
Heißt das, dass Zahlen wertlos sind? Ganz und gar nicht. Daten können helfen, Muster zu erkennen und Gespräche über Verbesserungen anzustoßen. Das Problem entsteht jedoch, wenn Zahlen als absolute Wahrheit und nicht als Werkzeug betrachtet werden. Personalbeschaffung ist und bleibt ein menschlicher Prozess, und Menschen lassen sich nicht vollständig in Kennzahlen und Prozentwerten erfassen.
Daraus lässt sich schließen, dass Erfolgsquoten im Recruiting per Definition subjektiv sind. Sie hängen von Definitionen, Kontext und Interpretation ab. Wer mit Zahlen arbeitet, sollte diese unbedingt mit qualitativen Erkenntnissen und Erfahrungswerten kombinieren. Nur so entsteht ein realistisches Bild davon, was „Erfolg“ wirklich bedeutet, und dies unterscheidet sich in der Regel von Organisation zu Organisation.
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